Russland Polar: Etappe 1

Zum Auftakt: Eiskalt Erwischt!

Liebe Mitfiebernde,

Unsere erste AllradOstentour, unsere Pioniertour durch den Hohen Norden ist gestartet. Und fragt nicht wie.

In Norwegens Kirkenes zum Tourenstart ahnt noch keiner, was da in der nächsten Woche auf uns zukommen wird.

Nach strengem Check der Russen bei der Einreise und einigen Umwegen für unsere Hundebesitzer finden wir uns schließlich in Murmansk beim Riesenkrabbenessen wieder. Das Wetter ist lausig, aber die Stimmung der Hammer. Wir ahnen ja auch noch nicht, was kommen wird…

Exkursion in Murmansk, Warmlaufen bei miesen Temperaturen und Regen.

Der erste kleine Allrad-Parcours. Wir arbeiten uns auf einen Hügel nördlich der Kirowsker Alpen vor. Abends ist eigentlich Zusammensitzen bei Borschtsch und Besprechung geplant.

Aber der Abend verläuft anders. Strammer Wind mit viel Nebel und Regen produzieren den Chillfaktor schlechthin. Ab dem frühen Abend werden unsere Wohnmobile eisgestrahlt. Kein Mensch hält es lange draußen aus. Der Plan zum gemeinsame Kochen und Zusammensitzen wird zunächst einmal eingefroren. Es schüttelt und rüttelt und bleibt drinnen trotzdem wohlig warm.

Am Morgen ist das Werk der Natur vollbracht. Die dem Wind zugeneigten Seiten unserer Fahrzeuge tragen einen dicken Eispanzer. Und Fahrräder heißen von nun ab „Icycle“. Obwohl es nur 1,5 Grad unter Null ist  – immerhin nennt sich das Ganze hier Sommer Anfang August – fühlt es sich gnadenlos kalt an, sobald man einen Schritt nach draußen macht.  Nie haben wir uns so gefreut, ein schönes und warmes Allradmobil zu haben. Man stelle sich hier eine Gruppe Zeltender vor…

Hätten wir immer solche Bedingungen, wäre bald eine Umbenennung von uns in AbenteuerFrosten notwendig.

Ganz vorsichtig krabbelen wir den Berg hinunter. Der erste große Allradabschnitt steht an. Und der hat es in sich. Steine, Bäche, Sand, Schlamm, Bäume und Sträucher und dazwischen – wir.

Wenn es unten gar nicht mehr geht, wechseln einige von uns auf die einstige Eisenbahnstrecke. Das Gehoppel über die Schwellen ist das Unangenehmste, was ich jemals am Leib erfahren durfte. Wir machen 1- 2 (!) Kilometer die Stunde.

Klar, dass wir damit Verspätung ohne Ende bekommen. Erst zur Geisterstunde und mit insgesamt 24 Stunden Verspätung treffen wir am Zielort ein. Wenigstens einige von uns. Ganz starke Jungs und Mädels hatten es mit ihren supergeländegängigen Fahrzeugen in einem Tag geschafft, wir mit der Verspätungshypothek des Hundeeinreise-Umwegs brauchten einfach ein bisschen länger.

Am Stellplatz treffen wir auf wilde Strände, die Steine und Moos zu Kieseln formen.

Ein Rohr legen müssen wir nicht, aber dafür das ein oder andere überwinden. Das sieht aber schlimmer aus, als es ist. Langsam arbeiten wir uns darüber hinweg.

Nach hartem Tag folgt der Lohn am Abend. Gemeinsames Grillen, gemeinsam durch die Wildnis der Kirowsker Alpen.

Irgendwie haben wir uns durchgewurschtelt und sind nach vier Tagen strammem Allradpart…

… wieder am Rande der Zivilisation angelangt. Mit Kind und Kegel und Hund sind wir unterwegs. Ein bunt gemischter Haufen, mit dem das Reisen richtig Spaß macht.

In Kirowsk feiern wir mit russischen Burgern unsere erste echt wilde Woche. Wir sind angekommen, und unsere Autos sind so etwas von geprüft worden. Wir sind mit GoPro und Drohne dabei gewesen, haben dokumentiert, bis sich die Speicherkarte verbogen hat. Freut euch auf einen Hammervortrag, der das erste Mal auf dem Caravansalon in Düsseldorf laufen dürfte!

Wilde Grüße aus dem wahrhaftig Wilden Osten

Euer Kostya

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